Am Samstag, dem 18. Januar 2020, findet der bereits achte Thementag der Mainzer Klassischen Philologie statt. Er wird organisiert vom lateinischen Hauptseminar und der Exkursionsgruppe ‚Der Alltag in Rom‘ (WS 19/20) und von Univ.-Prof. Dr. Christine Walde, Dr. Patrick Schollmeyer, Matthias Heinemann (M.Ed.) und Adrian Weiß (M.Ed.) und widmet sich dem Alltag in Rom und ist Teil der Kleine Fächer-Wochen an der JGU.Der Thementag richtet sich nicht nur an Studierende und SchülerInnen, sondern steht allen an der römischen Antike Interessierten offen, die an diesem Tag einen Einblick in die Arbeitsweise der Altertumswissenschaften gewinnen und sich in einen mittels kulturwissenschaftlicher Fragestellungen erschlossenen Raum jenseits weißer Togen und marmorner Ästhetik vorwagen wollen.
Los geht es ab 9:30 Uhr im P 10 (Philosophicum). Das Programm finden Sie hier.
Bereits 2017 wurde an der RGK in Frankfurt a. M. der Theorie-Lesezirkel gegründet. Es dauerte nicht lange bis er 2019 um einen weiteren Standort in Mainz am RGZM ergänzt wurde. Dieses Jahr gehen wir nun den nächsten logischen Schritt. Seit Beginn 2020 heißt der RGK & RGZM Theorie-Lesezirkel nun eingängiger „VARM-Theorie-Lesezirkel“. Beide Institutionen arbeiten im Verbund Archäologie Rhein-Main (VARM) eng zusammen, jedoch gehören in der Region neben den beiden oben genannten weitere archäologische Institutionen zu VARM. Daher erschien eine Erweiterung nur konsequent.
Am Format hat sich bisher aber nichts geändert. Der VARM-Theorie-Lesezirkel richtet sich vor allem an junge Wissenschaftler*innen und bietet ihnen die Gelegenheit, sich intensiv mit zentralen Texten auseinanderzusetzen. Uns interessieren besonders die derzeit auch in den Altertumswissenschaften viel diskutierten Themen Zeit, Raum, Identitäten, Wissen, Praktiken und materielle Kultur. Anhand der Lektüre zentraler Texte und deren Diskussion werden theoretische und methodische Überlegungen vertieft und kritisch reflektiert. Wir treffen uns üblicherweise am zweiten Mittwoch des Monats abwechselnd in Frankfurt und Mainz und freuen uns über zahlreichen Besuch. Bei Interesse einfach eine E-Mail an varm-koordinator[at]uni-mainz.de schreiben.
Das Römisch-Germanische Zentralmuseum und die Römisch-Germanische Kommission des DAI laden zum gemeinsamen Theorie-Lesezirkel am 15. Januar an das RGZM nach Mainz ein. Dieses Mal wird folgender Text diskutiert:
Die Suche nach Wahrheit und der Wunsch nach Objektivität sind der Altertumswissenschaften und der Geschichtsdidaktik nicht fremd. Nach dem Konstruktivismus der Postmoderne stellt sich die Frage, ob und wie die Wahrheitsfrage überhaupt noch beantwortet werden kann. Neuere Theorieangebote Neorealismus, Neomaterialismus und ANT verbindet ihre Skepsis gegenüber dem Konstruktivismus, dem sie vorwerfen, sich der Wahrheitsfrage zu entziehen. Wie lässt sich damit aber die Frage anders als nur positivistisch beantworten oder brauchen wir keine Gewissheiten mehr?
Der VARM-Theorie-Lesezirkel richtet sich vor allem an junge Wissenschaftler*innen und bietet ihnen die Gelegenheit, sich intensiv mit zentralen Texten auseinanderzusetzen. Uns interessieren besonders die derzeit auch in den Altertumswissenschaften viel diskutierten Themen Zeit, Raum, Identitäten, Wissen, Praktiken und materielle Kultur. Anhand der Lektüre zentraler Texte und deren Diskussion werden theoretische und methodische Überlegungen vertieft und kritisch reflektiert.
Die Römisch-Germanische Kommission des DAI und das Römisch-Germanische Zentralmuseum laden zum gemeinsamen Theorie-Lesezirkel am 11. Dezember an die RGk nach Frankfurt a. M. ein. Dieses Mal wird folgender Text diskutiert:
Uns umgibt zu jeder Zeit eine Fülle an Medien, die aus Netzwerken, Bildern, Klängen und Texten besteht. Diese abstrahieren wir zu Daten und Metadaten. Wie können wir dieses digitale Milieu verstehen und aus diesen Daten einen Sinn produzieren, indem wir uns nicht nur auf ihre Funktionalitäten konzentrieren, sondern auch auf unseren Alltag und unsere Existenz? Wie erfordern diese materiellen Konstruktionen ein neues philosophisches Verständnis, wenn wir sie nicht nur auf ihre Funktionalitäten reduzieren, sondern auch ihre Rolle für unseren Alltag, ja unsere gesamte Existenz in den Blick nehmen? Können diese digitalen Daten und Metadaten als Objekte, ähnlich der natürlichen und technischen Objekte verstanden werden? Welche Perspektiven ergeben sich daraus für diese digitalen Objekte und wirken diese Perspektiven auch auf andere Arten von Objekten zurück? Diesen Fragen möchte sich der Lesezirkel nähern.
Der Theorie-Lesezirkel der RGK & des RGZM richtet sich vor allem an junge Wissenschaftler*innen und bietet ihnen die Gelegenheit, sich intensiv mit zentralen Texten auseinanderzusetzen. Uns interessieren besonders die derzeit auch in den Altertumswissenschaften viel diskutierten Themen Zeit, Raum, Identitäten, Wissen, Praktiken und materielle Kultur. Anhand der Lektüre zentraler Texte und deren Diskussion werden theoretische und methodische Überlegungen vertieft und kritisch reflektiert.
Der diesjährige WINCKELMANN-Vortrag des Arbeitsbereichs Klassische Archäologie, den Herr Prof. Dr. Christoph Reusser (Zürich) anlässlich der aktuellen Vortragsreihe in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Alte Geschichte halten wird, findet am Montag, den 09.12.2019 um 18 Uhr c.t. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Alte Mensa / Atrium Maximum/ Johann-Joachim-Becher-Weg 3) statt.
Sie sind herzlich dazu eingeladen, wir freuen uns auf Ihr
Kommen!
Im Anschluss an den Vortrag findet ein kleiner Empfang statt.
Anlässlich des MEENZER SCIENCE-SCHOPPE referiert Sie zum Thema: “Archäologie und Gefühl – passt das zusammen?” Dies ist eine Preview zur Ausstellung “Ein Stück Heimat”, welche in der kommenden Woche eröffnet wird.
am 03.12.2019 um 18.15 Uhr ins Museum für Antike Schifffahrt in Mainz, mit dem Titel “Übersetzung zwischen Zeiten – ein travelling concept?”
Galt Übersetzung in den Altertumswissenschaften lange nur als Sprach- und
Textübersetzung, ist sie heute eine umfassendere Analysekategorie in den
Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.
Dr. Doris Bachmann-Medick hinterfragt in ihrem Vortrag die Übersetzung und
Übersetzbarkeit von Vergangenheiten und stellt explizit die zeitliche Dimension
in den Fokus. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin diskutiert, welche
unerwarteten und überraschenden Übersetzungsschritte gerade in der Arbeit der Altertumswissenschaftler*innen
vollzogen werden, um Rückbezüge auf Vergangenes nutzbar und Neues anschließbar
zu machen.
Der Vortrag erfolgt im Rahmen eines Fellowships auf Einladung der
Leibniz-Kooperative Exzellenz „Resilienzfaktoren in diachroner und
interkultureller Perspektive“. Die Übersetzung von der Gegenwart in die
Vergangenheit ist eine zentrale Aufgabe des interdisziplinären Forschungsprojekts:
Wissen wir recht gut, was Menschen heute widerstandsfähig gegen Krisen macht,
ist bislang weitgehend unbekannt, wie Stresssituationen in der Vergangenheit
bewältigt wurden. Umgekehrt können (vergessene) Resilienzfaktoren der
Vergangenheit in die Gegenwart übersetzt werden und so neue Erkenntnisse zur Stärkung
der Resilienz der heutigen Menschen generieren.
Doris Bachmann-Medick ist eine deutsche Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und Adjunct Senior Research Fellow am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), Justus-Liebig-Universität Gießen.
Bekannt ist sie insbesondere für ihre Publikationen zum Cultural Turn und kulturellen Übersetzungsprozessen.
Abb. 1: Theorie-Arbeit ist nicht immer eine ernste Angelegenheit, sondern kann gerade in Lesezirkeln auch sehr viel Freude bereiten, wie hier auf dem Foto des Treffens am 2.10.2019 in der RGK sieht. Foto: Anna Lisa Pfeiffer, RGK.
„Die Arbeit an Theorien [ist] ein Handeln wie anderes Handeln auch – ein Handeln, das in Situationen stattfindet, Gegebenheiten übernehmen und Überraschungen erleben muß“
Niklas Luhmann, Die Praxis der Theorie. Soziale Welt 20(2) 1969, 129-144, hier 129.
Wissenschaftliche Tätigkeit ist neben der Erhebung und
Auswertung von Daten immer auch Theorie- und (Selbst-)Reflexionsarbeit. Dieser
kommt aber in den Altertumswissenschaften bislang in ihrer institutionellen
oder umfassenden Ausprägung noch nicht derselbe Stellenwert zu, wie in anderen
Wissenschaften. Neben der wichtigen Arbeit mit archäologischen (und
schriftlichen) Quellen zeigt sich in den Archäologien ein wachsender Trend zur
Rezeption kultur- und sozialwissenschaftlicher Ansätzen. Theoriearbeit bleibt
jedoch im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Aspekten vergleichsweise
unterrepräsentiert. Das wird unter anderem daran deutlich wird, dass
archäologische Fächer in Deutschland bisher kaum eigene Theorien hervorgebracht
haben. Wo vor Jahren aber insbesondere auf professoraler Ebene noch der Ruf
nach einer Überwindung des „Theorieabstinenz“ (ungerechtfertigt oder nicht) zu
vernehmen war, oder auf „Spezialdiskurse“ wie die Tagungen der AG Theorien in der
Archäologie verlagert waren, wird die Archäologielandschaft
mittlerweile zumindest in Ansätzen durch theoretische Angebote angereichert.
Neben einer Zunahme der theoretischen Beiträge auf Tagungen und in
Fachartikeln, hat sich auch ein Wandel auf anderen Ebenen etabliert.
Eine wesentliche Rolle spielen nämlich seit einigen Jahren die
Theorielesezirkel an den unterschiedlichen Institut(ion)en. Sie stellen Austauschorte
dar, die nach Anfrage allen Interessierten offenstehen und nicht an akademische
Titel, Schranken oder Disziplinen gebunden sind. Entstanden sind sie oft aus
einer Unzufriedenheit oder einem ungestillten Interesse an theoretischen
Diskussionen. Studentische und post/doktorale Wissenschaftler*innen setzen sich
in Berlin, Freiburg, Marburg, Frankfurt a. M., Mainz und Zürich zusammen, um
Texte zu diskutieren, zu verstehen und weiterzudenken.
Philipp Welsch stellte kürzlich am Beispiel des
Merve-Verlags in seinem Buch „Der lange Sommer der Theorie“ dar, wie sich die
Vorstellung, was Theorie bedeutet und wie sie in der Gesellschaft der 1960er
bis 1980er Jahre praktiziert wurde, geändert hat. Die Theorie-Lesezirkel der
Archäologien scheinen sich gerade nicht an aktuellen Konjunkturen zu
orientieren, sondern Ähnlichkeiten zur Theorierezeption der späten 1960er
(wohlgemerkt nicht unbedingt der Inhalte) aufzuweisen. Auf informellen, aber
doch geregelten Treffen wird ausgehandelt, auf welche Weisen bestimmte Theorien
gelesen und verstanden werden können, welche Adaptionsmöglichkeiten es für die
Archäologien gibt und wo sie eventuell auch nur kreative Impulsgeber sein
mögen.
Seit 2017 hat sich auch an der Römisch-Germanischen
Kommission (RGK) ein solcher Theorie-Lesezirkel etabliert. Dieser findet seit
2019 in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum –
Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM) immer am zweiten Mittwoch im
Monat abwechselnd in Frankfurt a. M. und Mainz statt. Wie im prekären
Wissenschaftsbetrieb zu erwarten, ist die Organisation und Beteiligung stark
personengebunden. Der Lesezirkel lebt von der freiwilligen Bereitschaft zur
Vorbereitung und Teilnahme, vom Enthusiasmus der Beteiligten und von der
gemeinsamen Abstimmung der zu diskutierenden Themen.
Abb. 2: Theorielabor 2.0 am RGZM: hier werden u. a. Inspirationen für die Texte gesammelt, die diskutiert werden. Foto: Stefan Schreiber, RGZM.
Wie entstehen denn nun Themenvorschläge? Da es keine
unvoreingenommene Themenauswahl gibt, entstehen Vorschläge immer aus dem
eigenen theoretischen oder praktischen Hintergrund, in dem man sich bewegt. Da
der RGK & RGZM-Lesezirkel auch durch die Vorlieben der Organisator*innen
geprägt sind, werden Themenschwerpunkte anhand der eigenen
Forschungsschwerpunkte und der bisherigen Erfahrung gewählt. In meinem Fall
lasse ich den Blick durch mein Regal (Abb. 1) schweifen, oder stoße auf Themen,
zu denen ich etwas gelesen habe oder lesen möchte. Genauso beteiligen sich auch
die Teilnehmer*innen durch eigene Vorschläge, z. B. von für akademische
Arbeiten relevante Theorie- und Methodentexte. Insbesondere das Format der Diskussionsartikel,
welches manche Zeitschriften etabliert haben, erweist sich als ergiebig, da
hier schon konträre Positionen vorgeschlagen sind. Aber auch eigene Texte der
Teilnehmer*innen werden vorgeschlagen (nicht unbedingt durch sie selbst). Uns
interessieren besonders die derzeit auch in den Altertumswissenschaften viel
diskutierten Themen Emotionen, Zeit, Raum, Identitäten, Wissen, Praktiken und
materielle Kultur. Letztlich wird bei der aktuellen Sitzung abgestimmt, in
welche Richtung die Diskussion beim nächsten Mal gehen könnte, oder schon
explizit ein Text gewählt.
Trotz der gemeinsamen Auswahl existieren immer noch
Zugangshürden, die es gerade Studierenden schwer machen, die Lesezirkel als
Angebote für die eigene wissenschaftlichen Partizipation wahrzunehmen.
Einerseits sind das modulare Studium und die strukturierten Promotionen
Formate, die freiwillige Formen der Wissenschaft nicht gerade belohnen.
Andererseits ist die Sichtbarkeit aufgrund des eher interdisziplinären
Charakters der diskutierten Texte und des noch stark disziplinär ausgerichteten
Studiums nur gering. Das gilt es m. E. in Zukunft zu ändern, damit auch andere
Studierende und Post/Doktorand*innen selbstorganisierende Formate entdecken und
mitgestalten. Denn Theoriearbeit ist, um das Luhmann-Zitat aufzugreifen: Die
Arbeit an Theorien kann wie jedes andere wissenschaftliche Arbeiten anregend
sein, in spannenden Situationen stattfinden, Überraschungen erzeugen und Spaß
machen.
Veranstaltungsreihe
Jeden zweiten Mittwoch im Monat; abwechselnd in Frankfurt a.
M. und Mainz
Orte: RGK (Frankfurt a. M., Palmengarten 10-12, 16:15-18:00 Uhr) und RGZM
(Mainz, Ernst-Ludwig-Platz 2, 17:15-19:00 Uhr)
Die Römisch-Germanische Kommission des DAI und das Römisch-Germanische Zentralmuseum laden zum gemeinsamen Theorie-Lesezirkel am 13. November an das RGZM nach Mainz ein. Dieses Mal wird folgender Text diskutiert:
Doris Bachmann-Medick (2014). From Hybridity to Translation: Reflections on Travelling Concepts. The Trans/National Study of Culture: A Translational Perspective (pp. 119–136). https://doi.org/10.1515/9783110333800.119
Begriffe und Konzepte werden in den Archäologien gern fest definiert und festgezurrt. Der Drang nach vermeintlich theoretischer Sicherheit ist aber trügerisch, denn um für spezifische Fragestellungen und Probleme hilfreich zu sein, sollten Konzepte gerade flexibel bleiben. Darauf wird mit der Idee der Travelling Concepts verwiesen. Die Kulturwissenschaftlerin Doris Bachmann-Medick entwickelt am Beispiel des Konzeptes der Hybridität diese Vorstellung weiter. Statt auf das Wandern von Konzepten legt sie ihren Fokus auf die zahlreichen Übersetzungen zwischen den Disziplinen.
Der Theorie-Lesezirkel der RGK & des RGZM richtet sich vor allem an junge Wissenschaftler*innen und bietet ihnen die Gelegenheit, sich intensiv mit zentralen Texten auseinanderzusetzen. Uns interessieren besonders die derzeit auch in den Altertumswissenschaften viel diskutierten Themen Zeit, Raum, Identitäten, Wissen, Praktiken und materielle Kultur. Anhand der Lektüre zentraler Texte und deren Diskussion werden theoretische und methodische Überlegungen vertieft und kritisch reflektiert.
Was unterscheidet einen lebendigen von einem toten Körper, was einen gesunden von einem kranken? Was zunächst banal klingt, ist alles andere als einfach zu bestimmen, weder heute, noch in vormodernen Kulturen. Welche Eigenschaften sorgen dafür, dass wir einen Körper als „krank“ oder „gesund“ wahrnehmen und anhand welcher Merkmale wird ein Körper als tot oder lebendig betrachtet?
Diese und zahllose andere Fragen bewegen die Menschheit seit Jahrtausenden. Es bildeten sich verschiedene Konzepte und Praktiken mit Bezug zum menschlichen Körper heraus, die anhand von Texten und archäologischen Zeugnissen rekonstruierbar sind.
Ziel der Ringvorlesung ist es, Konzepte vom menschlichen Körper mit Blick auf die oben genannten Fragestellungen zu fassen. Dabei werden Konzepte und Praktiken von ausgewählten vormodernen Kulturen des Mittelmeerraums (Mesopotamien, Ägypten, die griechisch-römische Antike, das Mittelalter in Ost- und Westeuropa) und Gesellschaften, die mit diesen nicht in Kontakt standen, gegenübergestellt.
Damit die Fragestellung sich nicht in allzu viele Facetten aufsplittert, soll untersucht werden, wie man den lebendigen, ordnungsgemäß funktionierenden Körper im Gegensatz zum kranken und toten Körper auffasste und ob überhaupt immer Dichotomien feststellbar sind. Hierfür sind überlieferte Texte und archäologische Zeugnisse aussagekräftig. Metaphern und Metonymien für den Zustand des Lebens und des Todes sowie Bezeichnungen für den menschlichen Körper oder Leichnam können Aufschluss über bestehende Konzepte geben. Hier kann auch die Frage erörtert werden, wie und woraus ein Körper entsteht und wie und ab wann er als lebendig gilt. Die Abgrenzung des lebenden vom toten sowie des gesunden vom kranken Körper lässt sich auch über einzelne Körperfunktionen erfassen. Was muss ein Körper leisten können, damit er als lebendig oder als gesund gilt? Aus religiösen Texten Ägyptens wird z.B. deutlich, dass das Zusammenfügen der einzelnen Körperglieder und das sog. Mundöffnungsritual elementare Bestandteile für ein Weiterleben im Jenseits sind. Damit wird das schwierige und paradoxe Problem eines „Weiterlebens“ eines eigentlich toten Körpers aufgeworfen, das in vielen Kulturen thematisiert wird. In Text und Bild belegte Dysfunktionalitäten (Verlust der Sinne, der Beweglichkeit, der Kraft) sollen beleuchtet und deren Beitrag zum Konzept eines lebendigen und gesunden oder toten bzw. kranken Körpers untersucht werden.
Idealerweise wird am Ende der Vorlesungsreihe besser erkennbar, welche spezifischen Vorstellungen und Konzepte einzelne Kulturen entwickelt haben und welche Elemente vielleicht universal verbreitet sind.
Am 10. November öffnen wir zum letzten Mal an diesem Standort die Türen unserer Restaurierungswerkstätten und Laboratorien. Wenn es Sie schon immer interessiert hat, was mit archäologischen Funden passiert, bevor sie in die Ausstellung kommen, sind Sie herzlich willkommen. Von 10 – 18 Uhr lassen sich die Restauratorinnen und Restauratoren »über die Schulter schauen«. Sie demonstrieren ihre Arbeitstechniken, führen herstellungstechnische Experimente durch und stehen bei Fragen jederzeit zur Verfügung.
Es präsentieren sich die Restaurierungswerkstätten für Eisen- und Buntmetallrestaurierung, Edelmetall, Glas, Keramik, Abformung und Kolorierung sowie die Nassholzkonservierung. Zudem werden die zeichnerische, digitale und fotografische Dokumentation sowie die Archäometrie-Laboratorien und das Studium »Archäologische Restaurierung« (dualer Bachelor-Studiengang) vorgestellt.
Die Veranstaltung findet in den Werkstätten des RGZM (Gebäude neben dem Kurfürstlichen Schloss) statt.
10.11.2019, 10:00 – 18:00 Uhr
RGZM | Römisch-Germanisches Zentralmuseum im Kurfürstlichen Schloss Ernst-Ludwig-Platz 2 55116 Mainz
Wirtschaftsaspekte in Spätantike und Frühmittelalter Warenversorgung – Handelskontakte – Chronologieprobleme
Betrachtungen zu Wirtschaftsräumen und ihren vielschichtigen funktionalen Verflechtungen entwickeln sich für die Forschung zu außergewöhnlich effektiven Möglichkeiten, um Rückschlüsse auf den in der Vergangenheit auftretenden überregionalen Handel und zudem auf die sozio-ökonomischen und historisch-kulturellen Lebensumstände der Menschen in ihrem jeweiligen Umfeld und Wirtschaftsgefüge abzuleiten. Dieser Eindruck wurde im Rahmen der jüngst von der Forschungsstelle Kaiserpfalz in Ingelheim und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum eingegangenen Kooperation bei einem im November 2018 in Ingelheim durchgeführten interdisziplinären Fachkolloquium erneut deutlich vor Augen geführt. Die dort vorgestellten Beiträge widmeten sich für die Zeiträume der römischen Antike und des Mittelalters den Themenschwerpunkten Siedlungsräume – Wirtschaftsregionen – Machtzentren. Hierbei wurden die Verknüpfungen und die Wechselwirkungen dieser Hauptaspekte immer wieder präsent. Das damals gewonnene Bild soll nun bei einem zweiten, wieder von beiden Institutionen in Kooperation mit dem Arbeitskreis Pfalzenforschung Aachen-Ingelheim ausgerichteten Fachkolloquium erweitert und vertieft werden.
In Mayen wird verstärkt auf Wirtschaftsaspekte und Handelsfragen eingegangen. Sowohl die Versorgung von städtischen Ansiedlungen mit Waren als auch jene von ländlichen Räumen oder kleineren Siedlungseinheiten aus den Produktionsstätten werden thematisiert. Neben der Keramik sind hierbei auch Ausführungen zu anderen Materialgruppen wie etwa Glas oder Metall vorgesehen. Gerade für das 5. wie auch das 8. Jahrhundert bestehen bis in die heutige Zeit bei der chronologischen Ansprache von Funden und Befunden Probleme. Oft liegen die Datierungen von vergleichbarem Fundgut weit voneinander entfernt. Dieser Teilaspekt wird in den Referaten als Diskussionsbasis angesprochen.
Aufgrund seiner wissenschaftlichen Schwerpunktsetzung besitzt das Akademienprogramm überragende Bedeutung für die sogenannten ›Kleinen Fächer‹. Besonders gilt das für den Bereich der Altertumswissenschaften und der historischen Grundwissenschaften. Dazu gehören auch jene Disziplinen, die sich mit der Entzifferung, Dokumentation, Edition und Analyse umfangreicher, noch unzureichend erforschter Textkorpora und ihrer Schriftsysteme oder der umfassenden lexikalischen Erschließung außereuropäischer Sprachen und Kulturen befassen. Die Entwicklung von Fächern wie Ägyptologie, Altamerikanistik, Altorientalistik, Arabistik, Mediävistik oder Indologie, in denen deutsche Forschungsstandorte weltweit führend sind, wurde wesentlich durch das Akademienprogramm geprägt. In den Kleinen Fächern, die sich durch eine kleine Zahl universitärer Standorte und geringe personelle Ressourcen auszeichnen, entwickeln Langfristvorhaben nicht selten systemische Bedeutung.
Dieses Profil des Akademienprogramms beschränkt sich nicht auf Fragestellungen und Forschungsgegenstände im deutschen Sprachraum; vielmehr widmen sich die Vorhaben unterschiedlichsten Kulturen und Sprachen weltweit und tragen so in vielfältiger Weise zur Erhaltung und Erschließung des kulturellen Erbes der Menschheit bei. Die Konferenz ›Entziffern, Erschließen, Erhalten‹ richtet den Blick auf das Zusammenwirken von Akademienprogramm und universitärer Forschung und Lehre im Bereich der Kleinen Fächer. Expertinnen und Experten aus den Kleinen Fächern, aus Hochschulforschung, Wissenschaftspolitik und Wissenschaftsverwaltung analysieren die gegenwärtige Situation und entwickeln Perspektiven für die künftige Entwicklung des Akademienprogramms mit Blick auf die große Leistungsfähigkeit Kleiner Fächer im deutschen Wissenschaftssystem.